Klimawandel und Extremwetter im Rheinisch-Bergischen Kreis

Mit Beunruhigung verfolgen derzeit viele Menschen die diesjährigen, unterschiedlichsten globalen Extremwetterlagen. Auch die Menschen im Rheinisch-Bergischen Kreis (RBK) mussten im Juli 2021 fassungslos und schockiert die schrecklichen Auswirkungen von extremen Starkregen erfahren. Gleichzeitig erschien im August 2021 der neuste Bericht des Weltklimarats der vereinten Nationen (IPCC), der die katastrophalen globalen Folgen eines ungebremsten Klimawandels aufzeigt. Wir alle werden uns auf diese Folgen einstellen müssen. Doch was besonders wichtig ist: Immer noch kann jeder einzelne zum Klimaschutz beitragen.

Wohl kaum jemand in Westdeutschland hatte im Juli 2021 mit der erschreckenden Intensität der Starkregenereignisse und seinen brutalen Auswirkungen gerechnet. Auch einige Teile des RBK waren von Überflutungen betroffen. Ein solches Jahrhundertereignis lässt schockiert und hilflos zurück. Was ebenfalls bei vielen bleibt: Die Sorge, dass solche Extremwetterlagen aufgrund des Klimawandels nicht mehr nur Jahrhundertereignisse sind.

Der im August 2021 veröffentlichte erste Teil des 6. Sachstandbericht des IPCC zeigt leider, wie real diese Sorge ist. Der IPCC umfasst aktuell 195 Mitgliedstaaten. In den Berichten des IPCC werden alle aktuell existierenden, validen wissenschaftlich Daten zusammengefasst und beschreiben so den momentanen wissenschaftlichen Konsens. Der im August erschienene Bericht befasst sich im Wesentlichen mit dem naturwissenschaftlichen Sachstand zum Klima(wandel).

Was deutlich klar wird: Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder und genauer die Folgen der Erderwärmung prognostiziert, was unglücklicherweise aber größtenteils keine Taten folgen ließ. Nun sind wir wohl an dem Punkt angelangt, an dem die Prognosen anfangen einzutreffen und dies offenbar teilweise sogar früher als bisher angenommen. Die globale Erderwärmung beträgt aktuell bereits ca. 1°C. Die Erderwärmung unter 2°C zu begrenzen ist mittlerweile nur noch möglich, wenn ab spätestens 2050 mehr CO2 aus der Atmosphäre entfernt als ausgestoßen wird.
Direkte für uns spürbare Auswirkungen sind die ansteigenden Jahresdurchschnittstemperaturen mit weiter abnehmenden Schneemengen im Winter und heißeren Sommern. Hinzu kommt, wie eingangs genannt, die Zunahme an Extremwetterereignissen. So werden, gemäß den aktuellen wissenschaftlichen Einschätzungen im Bericht des IPCC, extreme Hitzewellen, die früher 1-mal in 50 Jahren vorkamen, bei der aktuellen Erwärmung ca. 5-mal so häufig sein. Bei einer Erwärmung von 1,5 °C werden sie etwa 9-mal und bei 2 °C etwa 14-mal so häufig auftreten und bei 4 °C fast jährlich vorkommen. In etwas geringerer Häufung werden Starkregenereignisse erwartet. Starkregen, die aktuell 1-mal in 10 Jahren auftreten werden ab 1,5 °C etwa 2-mal und ab 4 °C etwa 3-mal in 10 Jahren auftreten.

Selbst wenn also indirekte Folgen auf uns durch globale Veränderungen und negativen Auswirkungen in anderen Teilen der Welt (Ressourcenknappheit, Unbewohnbarkeit mancher Erdregionen, etc.) nicht berücksichtigt sind zeigt sich: Selbst die direkten lokalen Veränderungen haben auch für uns im RBK nicht nur Einfluss auf die (Land/Forst)Wirtschaft, sondern auch auf die Gesundheit und den Lebensstandard jedes Einzelnen. Was kann man tun? Als allererstes natürlich: Klimaschutz! Die Zeit den Klimawandel zu beeinflussen schwindet mittlerweile leider jährlich und jedes Umdenken, jede eingesparte Tonne CO2 ist in dieser Lage wertvoll und hilfreich. Aber ganz aufhalten können wir die Erderwärmung nicht mehr, sie ist bereits da. Ein weiterer, immer wichtigerer Aspekt ist somit die Anpassung. Und hier kommen gleichermaßen Politik, Wirtschaft aber auch jede einzelne Privatperson in Spiel. Wichtig sind dabei die Überlegungen unsere Umgebung und unsere Lebensgrundlage an die oben genannten Folgen anzupassen. Auf lokaler Ebene hilfreich sind hierbei u.a. die bestehenden Hochwassergefahrenskarten für Bergisch Gladbach und das Fachinformationssystem Klimaanpassung des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW. Zu hoffen ist, dass das integrierte Klimaschutzkonzept des RBK sowie das noch ausstehende Klimaschutzkonzept (inklusive Starkregen-Gefahrenkarten) für Bergisch Gladbach endlich mit Hochdruck umgesetzt werden.

Wie es aussieht werden also auch wir im RBK uns auf Veränderungen einstellen müssen, die vielleicht schon begonnen haben. Die Bekämpfung des Klimawandels und seiner Folgen kann nicht mehr nebenbei und ohne größere Anstrengungen vorangetrieben werden, auch wenn es manche (politische) Entscheidungsträger gerne so darstellen möchten. Aber handeln wir nicht, wird uns das noch viel teurer zu stehen kommen.

Und am Ende darf man nicht vergessen: Wenn an vielen kleinen Orten viele kleine Menschen viele kleine Dinge tun, können viele kleine Menschen Großes erreichen.